Les baleines de Rurutu
Papeete – Windjacke ade…
Nun sind wir also im Südpazifik angekommen! Wir landen nach einem Nachtflug morgens um 5 Uhr 30 (ist ja neuerdings voll unsere Zeit :-)) auf der Tahiti, der Hauptinsel von Französisch Polynesien. Begrüsst werden wir wie im Film mit Blumenketten und Ukulelen-Südsee-Liveband. Und es ist zum ersten Mal schön warm! Endlich können wir von den Turnschuhen auf die Flipflops wechseln!
Die Einreise ist bubieinfach (schliesslich sind wir ja in einem Überseegebiet von Frankreich) und geht für uns (nicht so für all die Amis vom gleichen Flug) ratzfatz: es gibt einen separaten Durchgang für EU- und Schengenstaaten :-)!
Unser kleiner Flieger weiter nach Rurutu startet erst um 13 Uhr und darum schnappen wir uns ein Taxi und fahren in das nur 10 Minuten entfernte Papeete, um die quirlige, bunte Hafenstadt etwas zu erkunden. Und wir haben ja noch eine andere Mission…

Gewichtsverteilung (Übergepäck)
Wie in der letzten Folge erklärt, ist ja die Gewichtsverteilung, was unsere Gepäckstücke betrifft, nicht ideal. Aus drei sollen nun also vier Koffer bzw. Taschen werden. Damit haben wir dann zwar immer noch gleich viel Gepäck, aber statt zwei dann kein Gepäckstück mehr über 23 kg und damit auch keine weitere Zusatzkosten zu unserem World-arround-Flugticket. Ist für uns immer noch nicht logisch, aber wir fassen also den Plan, hier in Papeete einen Koffer zu kaufen!
Allerdings müssen wir uns noch etwas gedulden bis die Läden aufgehen… Tiptop, dann haben wir ja genug Zeit, um einen Cache zu suchen! Im Jardin du Paofai, vis-à-vis des grossen Containerhafens, werden wir fündig. Inzwischen ist es 7 Uhr und aus „schön warm“ ist schon „brutal heiss“ geworden :-)! Papeete erwacht erst so richtig ab halbneun, darum also zuerst Frühstück… Es gibt poisson cru – ja tiptop, für Herrn Büchel genau das, was er sich so zum Zmorge vorstellt. Der rohe Fisch au lait de coco schmeckt dann Tina umso besser und ich freue mich eher wieder aufs Flugzeugfrühstück :-).
Wir lassen uns verzaubern vom farbenfrohen, fröhlichen Fisch-, Früchte-, Blumen- und Gemüsemarkt und fragen alle möglichen Leute nach einem Laden, wo man Koffer kaufen kann und schliesslich erstehen wir beim chinesischen Händler in der City einen Koffer, so dass wir zurück am Flughafen nun umpacken können :-).
Übrigens werden bei der Air Tahiti ausnahmsweise mal die Taucher und nicht die Golfer bevorzugt. Wer ein Tauchbrevet vorzeigen kann (wird echt kontrolliert), darf 5 kg mehr mitnehmen.
Gewichtsverteilung (im Flugzeug)
Schon steht der Abflug bevor. Mit Air Tahiti fliegen ist eigentlich eher wie Zug fahren: man steigt ein und sitzt einfach dort, wo es noch Platz hat und es gibt mehrere Haltestellen bis zur Endstation, an denen man aus dem Fenster guckt und nachliest, was am Flughafen angeschrieben ist, um festzustellen, ob man schon aussteigen muss.
Der Flieger wird nicht voll und so wechselt Tina nochmals den Platz, so dass wir je zwei Sitze für uns haben und wir beide aus dem Fenster gucken können. Leicht nervös wird Tina dann erst, als sie nach dem Abzählen der Passagiere von der Flugbegleiterin gebeten wird, auf die andere Seite zu wechseln – wegen der Gewichtsverteilung und der Balance des Fliegers :-)!!!
Nette Begrüssung
Drei Stunden später landen wir auf Rurutu, unserem heiss ersehnten ersten Reiseziel im Südpazifik. Yves und Hélène erwarten uns bereits am Flughafen und es gibt wieder Blumenketten zur Begrüssung! 15 Minuten später sind wir im „le Manotel“. Sieben Bungis stehen in einem grossen Pflanzenparadies direkt an grossen Sandstrand an der tosenden Küste (Brandung, hohe Wellen und viel Wind – wunderbar!). Wir packen also erstmal aus und spazieren danach mal kurz etwas dem hauseigenen Strand entlang, da kommt Yves schon ganz aufgeregt zu uns und sagt, er habe soeben einen Wal gesichtet, ob wir der Küste entlang mitfahren wollen, um ihn nochmals zu suchen?
Klar wollen wir! Und siehe da, eine Walmamma und ihr Baby zeigen sich sozusagen direkt vor der Haustüre schon in den ersten Stunden unserer Anwesenheit. Es sollte nicht das letzte Mal sein…
Baguette et on parle français
Die Mahlzeiten sind speziell. Es gibt fixe Essenszeiten und kein Buffet oder eine Menukarte – es gibt einfach das, was Hélène kocht. Erstaunlicherweise schmeckt mir mit wenigen Ausnahmen fast alles – inzwischen mag ich sogar den poission cru au lait de coco ganz gerne! Es ist eher wie bei einer Gastfamilie als wie in einem Hotel.
Den Einfluss Frankreichs merken wir immer wieder, weil es zum Frühstück und auch zu sonst jeder Mahlzeit das obligatorische Baguette gibt. Und man spricht französisch. Oh oh… ! Das wiederum ist für mich eher schlecht. Jetzt muss nämlich wieder mal mein Schulfranzösisch aufgefrischt werden und das ist doch schon etliche Jahre her… Aber nach und nach geht’s immer besser und wir lernen sogar noch etwas dazu :-)! Und das wichtigste Wort auf der Insel ist eindeutig „la baleine“, der Wal!
Rurutu in Kürze
Damit ihr wisst, wo wir überhaupt sind, hier ein kleiner Auszug zur Geographie und Geschichte von Rurutu:
Rurutu ist eine der „îles des Australes“ ganz im Süden von Französisch Polynesien. Um zu verdeutlichen wie gross Polynesien ist, hier ein Beispiel: Wenn Rurutu in Spanien wäre, dann befindet sich die nördlichste Insel Nuku Hiva in Dänemark, wäre die östliche Insel Reao in Instanbul, dann läge die westlichte Insel Maupiti in Portugal…
Rurutu ist echt einzigartig. Auf der 10×5 km grossen Insel leben 2000 Menschen in drei Dörfern. Inmitten des Südpazifik liegt Rurutu 572 km südlich von Tahiti (das erklärt auch, warum wie hier definitiv auch die warme Windjacke wieder ausgepackt haben :-)). Die Insel wurde vor 1,5 Millionen Jahren aufgrund einer tektonischen Verschiebung um 100 Meter angehoben und somit „geboren“, aber erst 1769 von James Cook entdeckt.
Die Rurutuer kennen nur zwei Jahreszeiten: Sommer vom November bis April, heiss und feucht und Winter vom Mai bis Oktober frisch und trocken. Wir bekommen den Wechsel gerade mit und haben von jedem Wetter etwas, aber uns ist das sowieso alles egal, weil wir ja vor allem wegen den Buckenwalen hier sind…

Kleines Boot und grosse Wellen
Nach unserem ersten Rurutu Frühstück mit Kaffee, der hier auf der Insel wächst, steht unser Guide Axel (Bob Marley in blonder, französischer Ausführung) pünktlich um 08:15 Uhr vor der Tür und holt uns mit seinem uralten Land Rover Defender im Manotel ab.
Frau Büchel hat schon mal vorsorglich ein Stuggeron eingeworfen – man weiss ja nie…
Zusammen mit zwei anderen Gästen geht’s Richtung Hafen. Dort steigen wir nach dem Umziehen (Dresscode: Neopren und ABC) auf eine kleine Nussschale mit zwei 115PS-Aussenbordern um und die Suche nach den Walen geht los!
Nach einer Stunde tapferen Zurückhaltens ist es dann schon mal um die zweite Mitfahrerin geschehen und Tinas Stuggeron wirkt auch nicht mehr so richtig. Kleines Boot ohne Schattenplatz auf grossen Wellen und dann noch Vollgas mit viel PS übers Wasser ist ja sowieso genau das, was meine Frau am liebsten jeden Tag macht :-)!
Nach zwei Stunden auf See zeigt sich aber das erste Walbaby mit der Mutterkuh und taucht dann wieder ab. Bis wir alle im Wasser sind, sind die beiden schon weg. Nach drei Stunden ist der erste Trip dann erledigt. Tina freut sich wieder über festen Boden unter den Füssen, aber auch über die kurze Sichtung des Walduos und ist wild entschlossen, auch am nächsten Tag wieder auf dieses Boot zu steigen!
Tag zwei mit doppelter Stuggeron-Dosis
Heute sind wir ganz alleine mit Axel und dem Captain auf dem Boot. Wir fahren dreieinhalb Stunden lang um die Insel herum und wollen dann aufgeben, als plötzlich alles ganz schnell geht: ein Prusten, Axel ruft „là-bas, baleines!“, eine Mamma taucht auf – wieder mit ihrem Kleinen, wir ins Wasser und können diese grossen Säuger erstmals in totaler Nähe unter Wasser sehen: ein absoluter Hochgenuss! Hier fehlen wirklich die Worte. Die Grösse und die Ruhe, die diese Tiere ausstrahlen ist einfach beeindruckend! Schon für diese 15 Sekunden haben sich die bisher 6,5 Stunden auf dem Boot gelohnt…
Übrigens ist Rurutu vor allen wegen diese Buckenwalwanderungen von Mai bis Oktober (oder manchmal bis Mitte November – juhuhhhhh) so bekannt. Der Tourismus nimmt dann um 100% zu – wobei bei total 30 Gästezimmern auf der Insel halten sich die absoluten Zahlen immer noch in Grenzen!
Die Buckelwalbabys nehmen pro Tag zwischen 50 und 100 Kilogramm zu. Uff, bin ich froh, dass mir das nicht passiert. Sie trinken 40 bis 50 Liter Muttermilch täglich. Umstritten sind die Jumps, die sie ab und zu machen. Einige Forscher sagen, dies sei nur zum Spielen und andere meinen, sie zerschlagen so Parasiten. So oder so – es ist ein unglaubliches Spektakel, wenn sie zu zweit zehn Meter neben dem Boot rausspringen und wieder ins Wasser klatschen.
17’000 Kilometer für genau diese Begegnungen
Am dritten Tag sind wir wieder zu viert auf dem Boot. Frau Büchel ist es inzwischen schon richtig wohl auf dem Gefährt – schliesslich nimmt sie ja auch genügend und vor allem rechtzeitig die kleinen Antikotzer…
Die neue Dame aus Frankreich überlebt gerademal die ersten zwanzig Minuten und hängt dann schon über der Reeling… Aber heute geht’s richtig rund und so wird sie schnell von ihrer Übelkeit abgelenkt und mit wunderbaren Walbegegnungen entschädigt: x-mal springt ein Walduo neben unserem Boot aus dem Wasser und danach kehrt etwas Ruhe ein. Das Boot kann sich dem Buckelwal mit Nachwuchs nähern. Wir gleiten leise ins Wasser und liegen (so ruhig es halt geht) auf den meterhohen Wellen. Die beiden Wale schweben etwa fünf Minuten lang nahezu bewegungslos unter uns auf ungefähr 10 Metern Tiefe. Plötzlich taucht das Baby auf, um Luft zu holen und tut dies direkt auf uns zu!!! Es holt Luft an der Oberfläche, schaut uns nochmal interessiert an verschwindet dann langsam mit seiner Mutter im Blau des weiten Ozeans – wow!!!! Insgesamt dreimal gelingt es an diesem Tag, dass wir jeweils für kurze Momente die Wale unter Wasser sehen können. Genau deshalb sind wir hier 17’000km weit entfernt von zu Hause auf dieser kleinen Insel – um das zu erleben! Trotz tosenden Wellen, die über unseren Köpfen zusammenschlagen, scheint die Zeit während dieser magischen Momente einfach still zu stehen.
Hier geht’s zum kurzen Video, das wir aus unseren Aufnahmen zusammengeschnitten haben: http://youtu.be/ZxIoQJYUxXc
„Banane-Gschlüder-Tanggel“
Den Nachmittag verbringen wir wieder in der Hauptstadt (wobei Minidorf die passendere Bezeichnung wäre) Moerai und essen etwas zu Mittag in einer der typischen Snackbars.
Kennt ihr den Begriff „Banane-Gschlüder-Tanggel“? Ich bis anhin auch nicht, aber Tina hat eine meiner neuen Lieblingsspeisen so benamst – die richtige einheimische Bezeichnung können wir uns einfach nicht merken :-). Wenn ihr das, was da auf dem Teller daherkam gesehen hättet, wüsstet ihr was Tina meint… Ich für meinen Teil habe die gelée-artige Substanz genossen. Es ist süsslich, schmeckt nach gekochten Bananen, ist aber braungrün. Serviert wird es in der Grösse eines Stücks Cake nicht als Dessert, sondern als Beilage z.B. zusammen mit Maniok-Fries zu Fleisch oder Fisch. Von der Konsistenz ist das Ganze irgendetwas zwischen Wackelpudding und Knödel – auf jeden Fall kann man das ganze Stück mit der Gabel aufspiessen, ohne dass es auseinander fällt – z.B. wenn man es von einem Teller auf den anderen transportiert (also von Tinas auf meinen natürlich).
Für alle, die das nachkochen wollen, hier das Rezept (so gut wir es verstanden haben): Man nehme Bananen und vermansche sie ordentlich. Dann vermische man die Bananenpampe mit Tapiokamehl und koche das Ganze schön ein. Danach wird die Masse mit Kokosnussmilch angerührt, in Bananenblätter eingewickelt und 15 Stunden im Erdofen gegart. En Guete!
Ziegen & Schweine statt Schatzkiste
In Rurutu wird man von jedem mit einem Winken (à la Töfffahrer) gegrüsst – ganz egal, ob man zu Fuss, mit dem Velo, mit dem Schiff oder mit dem Auto unterwegs ist. Und auch ganz egal, ob man Tourist oder Einheimischer ist. Das ist voll sympathisch und man fühlt sich dadurch noch mehr willkommen! Wir winken natürlich auch brav jedem zurück – am Anfang noch etwas zögerlich, aber ab dem zweiten Tag winken wir nicht nur zurück, sondern winken schon selbst jedem! Ich hätte nicht gedacht, dass es in Sachen Freundlichkeit auf der Strasse zu San Francisco sogar noch eine Steigerung gibt :-)!
Man stelle sich vor: sogar hier an dieser entlegenen Ecke der Welt, ist ein Geocache versteckt! Den gilt es natürlich zu loggen! Wir mieten für einen Nachmittag ein Auto (Taxis gibts keine) und fahren zur Grotte Ana A’eo, wo der Cache versteckt sein soll – eigentlich…
Wir finden alles Mögliche… wir bewundern die vielen verschiedenen Pflanzenarten… wir hören uns das Echo der Grotte an… wir treffen auf grasende Ziegen… und Schweine… in allen Grössen… aber einen Cache finden wir definitiv nicht. War aber trotzdem ein sehr witziger Ausflug, der uns in Erinnerung bleiben wird!
Alles in allem hat Rurutu sehr Spass gemacht! Fazit der Woche: Es müssen nicht immer fünf Sterne und à la carte sein – ab und zu macht Robinson spielen viel mehr Spass!
Next Stop: Moorea!
CU there…